Weihnachten darf nicht ausfallen!

6g4a1377Nein, Weihnachten darf nicht ausfallen! Weihnachten kann gar nicht ausfallen. Selbst wenn uns nach „feiern“ rein gar nicht zumute ist. Selbst wenn sich die eigene Seele hartnäckig verweigert, weihnachtliche Gefühle zu produzieren. Selbst wenn wir das „Friede auf Erden“ der Engel der Weihnachtsgeschichte in diesen dunklen Tage nicht als Ansage hören können, sondern grade mal als dringende Bitte. Weiterlesen

Es gibt keinen Frieden, außer man tut ihn!

Ab dem 3. Advent wird in Schleswig-Holstein das Friedenslicht aus Bethlehem verbreitet. Die Pfadfinder der verschiedenen Bünde und Stämme verteilen es. Die Idee hatte vor 30 Jahren der Österreichische Rundfunk. Das Friedenslicht aus Bethlehem ist ein Symbol für den Frieden: Eine kleine Flamme kann viel Dunkelheit in Licht verwandeln. Und gleichzeitig ist sie zerbrechlich und bedarf großen Schutz. Wo Frieden sich ausbreitet, bringt er viel Gutes. Doch auch der Frieden braucht Schutz.
Jeden Tag machen wir uns Sorgen um den Frieden in der Welt und sehen die Konflikte und Kriege. Frieden macht Arbeit und ist nicht selbstverständlich – auch über die Friedensverträge und Waffenruhen hinaus. Friede ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Es gibt keinen Frieden, außer man tut ihn. Das gilt im Großen, in der Politik, wie auch im Kleinen, bei uns selbst. Dort wo ich mich um Frieden bemühe, breitet er sich aus, wie das Licht aus Bethlehem, und verbreitet Licht und Wärme.
Benjamin Thom, Pastor in Weddingstedt

Kindliche Freude

Maike Engelkes„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…erst eins, dann zwei, dann drei dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür“ – gemeinsam sprechen wir dieses kleine, allen bekannte Adventsgedicht, Angehörige, Mitarbeitende und Bewohnerinnen im Pflegeheim. Ich mache eine kleine Pause und sehe in die Runde. Dann gehts weiter: „…doch wenn das fünfte Lichtlein brennt… dann hast du Weihnachten verpennt“ – viele sprechen die Worte laut mit. Und dann lachen sie voll Freude, plappern munter mit ihrer Nachbarin, ihrem Nachbarn.
Hier ist kaum jemand unter 90. Und sie sind fröhlich zusammen – die meisten jedenfalls. Da ist Frau B. Sie lebt ganz in der Gegenwart, hat klare Gedanken. Regelmäßig macht sie ihren Spaziergang, hilft denen, die Hilfe brauchen, liest vor, hakt unter, redet, denkt. Frau K. dagegen spricht nicht mehr. Sie hat es verlernt. Doch ihre kleinen kugeligen Augen werden groß und leuchtend, wenn sie nach und nach die vor ihr liegenden Marzipankartoffeln erst in ihrer Hand flach drückt und dann in den Mund steckt. „Hm“, sagt sie. Herr M. liebt die alten Weihnachtslieder. Da denkt er immer an zuhause. An früher, als er selbst noch ein Kind war. Und er fühlt sich wie ein Kind. Seit zwei Jahren ist das so. „Mama“, sagt er zwischendurch, kaum hörbar für die anderen.
Die kindliche Freude auf dieser Feier ist ansteckend. „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…“ – und alle lachen mit.
Pastorin Maike Engelke, Windbergen

Es leuchte das Licht

_mg_9554Morgen brennen schon zwei Kerzen am Adventskranz. Und in den vielen verschiedenen Häusern schauen Menschen mit unterschiedlichen Gefühlen in das Licht. Viele tun dies mit Freude, aber nicht für alle ist der Advent eine frohe Zeit, weil es auch so viel zu beweinen gibt. Und in den allermeisten Häusern gibt es Schönes und Schweres nebeneinander.
Die Adventszeit ist nicht nur für die Fröhlichen. Besonders an die Traurigen richten sich die adventlichen Botschaften von Licht, Trost und Hoffnung. „Über denen, die im Dunkeln sind, scheint es hell“, lautet das weihnachtliche Versprechen in den biblischen Verheißungen.
Und Paulus schreibt im ersten Korintherbrief: „Gott, der sprach: Licht soll hervorleuchten aus der Finsternis, der hat auch einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben.“
Das Besondere an Gottes Licht ist ja, dass es einen Namen hat, dass es ein verlässliches Licht ist, das allen Dunkelheiten standhält. Die Zeit des Advent ruft uns dies ins Herzensgedächtnis.
Pastorin Marlies Rattay, Schlichting und St. Annen

Sie haben die Wahl!

ASNein, es geht nicht darum, wer unser nächster Bundeskanzler(in) wird. Es geht auch nicht um Parteien und nicht um links oder rechts. Die Wahlen zum Kirchengemeinderat stehen an – morgen, am 1. Advent, und zwar in allen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Norddeutschlands. Sie, ja Sie persönlich, sind aufgerufen, mitzubestimmen, wer in den Kirchengemeinderat Ihrer Kirchengemeinde gewählt wird, sofern Sie Gemeindemitglied sind und mindestens 14 Jahre alt.
Vor einigen Wochen erhielten Sie dazu eine Wahlbenachrichtigungskarte. Da steht zum Beispiel drauf, wo Ihr Wahllokal ist. Also machen Sie sich die kleine Mühe und gehen Sie zur Kirchenwahl. Vielleicht verbinden Sie das mit einem Spaziergang oder dem Besuch eines Adventsmarktes. In Heide haben Sie zusätzlich die Gelegenheit, die Eröffnung der Aktion „Brot für die Welt“ um 15 Uhr in der St. Jürgen-Kirche mit unserem Bischof Magaard und dem Ministerpräsidenten Albig zu erleben.
Ihre Kirchengemeinde braucht Ihre Stimme. Setzen Sie ein Zeichen der Verbundenheit und unterstützen Sie die ehrenamtlichen Frauen und Männer, die nun für sechs Jahre die Geschicke Ihrer Gemeinde mitbestimmen werden. Geben Sie unseren Gremien den nötigen Rückenwind für ihre Arbeit. Wir freuen uns auf Ihre Stimme.
Ihr Pastor Sonnenberg, Heide.

Nutella im Himmel

BrinkmannPapa, gibt es im Himmel auch Nutella?“ Mia guckt erwartungsfroh. Die Eltern schlucken. Existenzfragen morgens um sieben sind nicht jedermanns Sache. Sie sind ratlos, wie sie antworten sollen. Zwar fühlen sie, dass die Großeltern immer noch einen Platz in ihrem Herzen haben. Auch pflegen sie auf dem Friedhof das Grab. Mia entziffert dann jedes Mal den Namen von Oma und Opa und deren Lebensdaten. Aber ist das alles, was von uns Menschen übrig bleibt? Wie ist das mit unserer Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod? Für Mia scheint das völlig klar zu sein, wenn sie schon so fragt.

Die Autoren der Bibel indes sind vorsichtig. Sie spekulieren nicht über die Details dieser Zukunft. Wichtiger ist ihnen, dass wir jetzt bewusst leben mit Gott im Sinn. Doch sie schreiben auch, dass Christus nicht im Tod geblieben ist. Sie glauben an ihn in den Himmeln Gottes, bis er wiederkommt. Dann gibt es die große Welterneu­erung. Davon schon mal zu träumen, macht hier das Vertrauen auf Gott aus.  „Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich über das, was ich schaffe“, heißt es bei Jesaja in der Bibel. Bei Mia klingt das eher so: „Dann will ich da unbedingt hin. Man bekommt dann ja auch keine Bauchschmerzen mehr und keine Löcher in den Zähnen.“

Pastorin Ina Brinkmann, Meldorf

Vor Gericht

StDSC_4026ellen Sie sich mal vor, Sie sind tatsächlich erwischt worden. Beim zu schnellen Fahren, beim Lästern über Andere, beim Runterladen eines Videos im Internet … – Und dann flattert die Einladung ins Haus zu einer Gerichtsverhandlung. Sie müssen sich verantworten für das, was Sie getan haben. Ein Rechtsanwalt wird Ihnen zur Seite gestellt. Es sieht nicht gut aus, doch dann passiert etwas, womit keiner gerechnet hat: „Nicht schuldig“ ist das Urteil, denn die Schuld übernimmt ein anderer. Zu schön, um wahr zu sein?
„Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“ (2. Kor. 5, 10) so lautet der Wochenspruch. Die Einladung zu der Gerichtsverhandlung ist ausgesprochen. Wir müssen uns verantworten. Doch der Richter ist gleichzeitig unser Fürsprecher: „Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.“ (1. Joh. 2, 1b). Am Ende kann es heißen: „Nicht schuldig!“
Zu schön, um wahr zu sein? Wer’s glaubt, wird selig!
Von Pastor Benjamin Pohlmann, Meldorf

Einsamkeit ist ein Novemberthema

warnckAm November scheiden sich die Geister. Die einen genießen Spaziergänge durch die herbstliche Landschaft, bei anderen verschlechtert sich die Laune. Denn nun beginnt endgültig die dunkle Jahreszeit mit Nässe, Kälte und langen Nächten mit viel Einsamkeit. Doch es gibt eine Idee Gottes dagegen. Ein weiser Dichter in der Bibel hat dafür ein schönes Bild gefunden. Er sagt: „Weh dem, der allein ist, wenn er fällt. Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. Auch wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich, denn: wie kann ein Einzelner warm werden?“ (Prediger 4, 9-11) Wir brauchen den anderen, der uns stützt und wärmt. Wir brauchen das Gespräch. Auch wenn wir stark werden und auf eigenen Füßen stehen, haben wir nie alle Gaben, die es zu einem guten Leben braucht. Ja, das Leben wird erst in Gemeinschaft reich. Am besten ist es also, wenn wir einen guten Wein, ein Fußballspiel und nette Musik nicht allein genießen, sondern mit anderen. So lässt sich auch die dunkle Jahreszeit gut aushalten.

Prädikant Michael Warnck, Nindorf

Luther reformiert

luiseEiner, der an der neuen Revision der Lutherbibel von 1912 beteiligt war, beschreibt die Arbeit des großen Teams wie die von Jongleuren: Als Bälle mussten die Theologen die besondere Sprachgewalt Luthers und die Vertrautheit der Gemeinden mit bekannten Bibelworten ebenso im Spiel halten wie neue Erkenntnisse zu den hebräischen und griechischen Urtexten und nicht zuletzt auch die heutige Verstehbarkeit. Ist das Vorhaben gelungen? Hören und schauen Sie selbst. Diesen Sonntag wird in vielen Dithmarscher Kirchen die „Lutherbibel 2017“ als neue Altarbibel vorgestellt und ausgelegt. Vielleicht finden auch Sie darin etwas, das Sie stärkt. Luther selbst soll gesagt haben: „Wenn die Bibel ein großer, mächtiger Baum wäre und alle Worte wären Ästelein und Zweige, so habe ich doch alle Ästelein und Zweige angeklopft, und gerne wissen wollen, was daran wäre und was sie vermöchten, und allezeit noch ein paar Äpflein oder Birnlein herunter geklopft.“

Luise Jarck-Albers, Pastorin in Heide

Verzeih mir

Inke Raabe„Ich habe es gesagt. Es war falsch, und ich entschuldige mich.“ Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump trat mit diesen Worten an die Öffentlichkeit, nachdem seine sexistischen Äußerungen in einem Video bekannt geworden waren. Ein Sturm der Entrüstung fegt nichtsdestotrotz durch die Welt: „Es reicht“, sagt Michelle Obama dazu in einer emotionalen Rede. „Anständige Menschen sagen so etwas nicht.“

Einen Fehler zuzugeben ist nicht leicht. „I apologize“, sagt Trump, „ich entschuldige mich“. Aber so einfach geht das nicht. Niemand kann sich selbst entschuldigen. Schuld kann immer nur vergeben werden. Und wenn jemand ernsthaft um Verzeihung bittet, sollten zumindest wir Christenmenschen sie ihm nicht verwehren. Gott jedenfalls tut es nicht. Aber wer sich selbst gerecht spricht, wird nicht aus dem Schatten der Schuld heraustreten können.

Donald Trump hätte gut daran getan, auf seine Sprache zu achten: „Please forgive me“ oder „please apologize“ wäre besser gewesen. Verzeih mir, excuse-moi heißt es im Französischen, oder auch „je suis désolé“ – ich bin am Boden zerstört. Wir alle machen Fehler. Aber nur, wer von Herzen um Vergebung bitten kann, wird den Schaden in Grenzen halten.

Inke Raabe, Pastorin für Öffentlichkeitsarbeit