Der Mond ist aufgegangen

„Der Mond ist aufgegangen, die gold‘nen Sternlein prangen am Himmel hell und klar“ – Matthias Claudius schrieb diese Zeilen im Jahr 1779. Er hatte damals bereits ein bewegtes Leben hinter sich: Schon als Junge verlor er drei seiner Geschwister, mit gerade mal 20 Jahren schrieb er die Grabrede für seinen Lieblingsbruder Josias.

Der junge Mann fasste nicht recht Fuß im Leben, studierte zuerst Theologie, dann Rechtswissenschaften, fand aber in keinem von beiden eine Heimat. Schließlich wurde er – wie so viele, denen es ähnlich geht – Journalist und Dichter. Er war einziger Redakteur des „Wandsbeker Boten“, einer frühen Tageszeitung. Eine Seite nannte sich die „gelehrte Seite“ – und die gestaltete Matthias Claudius auf damals ungewöhnliche Art: mal mit eigenen Gedichten, mal mit einem fiktiven Briefwechsel oder kulturellen Beiträgen anderer zeitgenössischer Künstler.

Heute ist Matthias Claudius‘ Todestag – kein Festtag, nur eine kleine Notiz im Kirchenkalender. Er starb 1815 und wurde in Hamburg begraben. Sein Lied vom Mond, der nur halb zu sehen und doch so rund und schön ist, überdauerte. Es tröstet Große und Kleine vor dem Schlafengehen bis auf den heutigen Tag.

Pastorin Inke Raabe, Dithmarschen