Voll werden

DSC_4026Sind Sie eigentlich noch ganz dicht? Oder haben Sie das Gefühl, dass jemand Ihnen das Wasser abgräbt? Am Anfang des Jahres wollen viele mit neuer Kraft durchstarten, – doch schon in den ersten Tagen danach weichen die guten Vorsätze. Eigentlich war so viel da und dann fühlen wir uns plötzlich wieder vollkommen leer.

Bernhard von Clairvaux sagt: „Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale, die wartet, bis sie erfüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter. Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen und habe nicht den Wunsch freigiebiger zu sein als Gott.“ Der mittelalterliche Mystiker       macht deutlich: Bevor du gibst, lass Dich erstmal volllaufen. Die Tankstelle um voll zu werden, klingt nach den Worten der Bibel so: „Von seiner Fülle haben wir alle genommen“ – Jesus Christus ist gemeint. Er ist der, der uns abfüllen möchte mit Gnade und Wahrheit, mit Liebe, Kraft, Freude und Frieden. Wenn seine Worte uns erfüllen, dann fließen sie weiter – ohne, dass wir sie verlieren.

Pastor Benjamin Pohlmann, Meldorf

 

 

Ein frohes Neues!

warnckDas neue Jahr ist so jung, dass man noch täglich hört: „Ein frohes Neues!“ Doch was erwartet uns? Die Ausblicke auf das Kommende sind ohne Euphorie. Zu heftig waren die politischen Krisen der letzten Zeit. Ach, könnte man die alten Lasten nur abschütteln und neu anfangen. Es gibt jemanden, der genau das verspricht. „Seht!“, so ruft er, „da ist der, der alle Lasten auf sich nimmt!“ (Johannes 1,29). Der so ruft, heißt Johannes und ist der letzte wirkliche Prophet. Er nimmt mit uns hinein in das Evangelium von Jesus Christus. Und sagt auch „Ein frohes Neues“. Aber Johannes meint nicht nur dieses Jahr. Er meint unser Leben. Seht, ein frohes neues Leben wird kommen. All die Sehnsucht, dass die Gewalt aufhört und jedes Unrecht unmöglich ist – das wird kommen. Jesus hat die Last übernommen und trägt dieses ganze Elend von Schuld und Gewalt hinweg. Johannes sagt zu uns: „Seht dort! Mit Jesus wird alles neu!“ Wir haben doch den Hauch einer Chance. Und mehr als das – ein frohes neues Jahr!

Lass Herz regnen

Inke Raabe„Oh Herr, lass Hirn regnen!“ – mit diesem etwas unfrommen Stoßgebet mache ich mir manchmal Luft. Mal ist es der Autofahrer vor mir, der nicht schnell genug um die Kurve kommt, mal der Kollege, der einen Arbeitsauftrag nicht kapiert. Manchmal trifft es auch mich selber, wenn ich erneut in den Keller laufen muss, weil ich vergaß, was ich holen wollte.
In diesen Tagen bekommt mein scherzhaftes Stoßgebet eine ernsthafte Wendung. „Herr, lass Herz regnen!“, denke ich. Lass Herz regnen auf verstockte Islamisten, auf ängstliche Wutbürger, auf populistische Politiker. Mach doch bitte, dass sie alle vom Herzen her denken und erkennen, dass jeder Mensch ein Kind deiner Liebe ist. Mach doch, dass die Gewalt in Gedanken, Worten und Werken ein Ende nimmt.
„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“ – so lautet die Jahreslosung für 2017. Das klingt nach einem Neuanfang. Das klingt, als ob Gott Herz regnen lassen wolle. „Lass Herz regnen“, bete ich. Und weil Gott Spaß versteht, ergänze ich frech: „Und wenn du schon mal dabei bist, gib Hirn dazu.“
Inke Raabe, Pastorin in Dithmarschen

Weihnachten darf nicht ausfallen!

6g4a1377Nein, Weihnachten darf nicht ausfallen! Weihnachten kann gar nicht ausfallen. Selbst wenn uns nach „feiern“ rein gar nicht zumute ist. Selbst wenn sich die eigene Seele hartnäckig verweigert, weihnachtliche Gefühle zu produzieren. Selbst wenn wir das „Friede auf Erden“ der Engel der Weihnachtsgeschichte in diesen dunklen Tage nicht als Ansage hören können, sondern grade mal als dringende Bitte. Weiterlesen

Es gibt keinen Frieden, außer man tut ihn!

Ab dem 3. Advent wird in Schleswig-Holstein das Friedenslicht aus Bethlehem verbreitet. Die Pfadfinder der verschiedenen Bünde und Stämme verteilen es. Die Idee hatte vor 30 Jahren der Österreichische Rundfunk. Das Friedenslicht aus Bethlehem ist ein Symbol für den Frieden: Eine kleine Flamme kann viel Dunkelheit in Licht verwandeln. Und gleichzeitig ist sie zerbrechlich und bedarf großen Schutz. Wo Frieden sich ausbreitet, bringt er viel Gutes. Doch auch der Frieden braucht Schutz.
Jeden Tag machen wir uns Sorgen um den Frieden in der Welt und sehen die Konflikte und Kriege. Frieden macht Arbeit und ist nicht selbstverständlich – auch über die Friedensverträge und Waffenruhen hinaus. Friede ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Es gibt keinen Frieden, außer man tut ihn. Das gilt im Großen, in der Politik, wie auch im Kleinen, bei uns selbst. Dort wo ich mich um Frieden bemühe, breitet er sich aus, wie das Licht aus Bethlehem, und verbreitet Licht und Wärme.
Benjamin Thom, Pastor in Weddingstedt

Kindliche Freude

Maike Engelkes„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…erst eins, dann zwei, dann drei dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür“ – gemeinsam sprechen wir dieses kleine, allen bekannte Adventsgedicht, Angehörige, Mitarbeitende und Bewohnerinnen im Pflegeheim. Ich mache eine kleine Pause und sehe in die Runde. Dann gehts weiter: „…doch wenn das fünfte Lichtlein brennt… dann hast du Weihnachten verpennt“ – viele sprechen die Worte laut mit. Und dann lachen sie voll Freude, plappern munter mit ihrer Nachbarin, ihrem Nachbarn.
Hier ist kaum jemand unter 90. Und sie sind fröhlich zusammen – die meisten jedenfalls. Da ist Frau B. Sie lebt ganz in der Gegenwart, hat klare Gedanken. Regelmäßig macht sie ihren Spaziergang, hilft denen, die Hilfe brauchen, liest vor, hakt unter, redet, denkt. Frau K. dagegen spricht nicht mehr. Sie hat es verlernt. Doch ihre kleinen kugeligen Augen werden groß und leuchtend, wenn sie nach und nach die vor ihr liegenden Marzipankartoffeln erst in ihrer Hand flach drückt und dann in den Mund steckt. „Hm“, sagt sie. Herr M. liebt die alten Weihnachtslieder. Da denkt er immer an zuhause. An früher, als er selbst noch ein Kind war. Und er fühlt sich wie ein Kind. Seit zwei Jahren ist das so. „Mama“, sagt er zwischendurch, kaum hörbar für die anderen.
Die kindliche Freude auf dieser Feier ist ansteckend. „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…“ – und alle lachen mit.
Pastorin Maike Engelke, Windbergen

Es leuchte das Licht

_mg_9554Morgen brennen schon zwei Kerzen am Adventskranz. Und in den vielen verschiedenen Häusern schauen Menschen mit unterschiedlichen Gefühlen in das Licht. Viele tun dies mit Freude, aber nicht für alle ist der Advent eine frohe Zeit, weil es auch so viel zu beweinen gibt. Und in den allermeisten Häusern gibt es Schönes und Schweres nebeneinander.
Die Adventszeit ist nicht nur für die Fröhlichen. Besonders an die Traurigen richten sich die adventlichen Botschaften von Licht, Trost und Hoffnung. „Über denen, die im Dunkeln sind, scheint es hell“, lautet das weihnachtliche Versprechen in den biblischen Verheißungen.
Und Paulus schreibt im ersten Korintherbrief: „Gott, der sprach: Licht soll hervorleuchten aus der Finsternis, der hat auch einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben.“
Das Besondere an Gottes Licht ist ja, dass es einen Namen hat, dass es ein verlässliches Licht ist, das allen Dunkelheiten standhält. Die Zeit des Advent ruft uns dies ins Herzensgedächtnis.
Pastorin Marlies Rattay, Schlichting und St. Annen

Sie haben die Wahl!

ASNein, es geht nicht darum, wer unser nächster Bundeskanzler(in) wird. Es geht auch nicht um Parteien und nicht um links oder rechts. Die Wahlen zum Kirchengemeinderat stehen an – morgen, am 1. Advent, und zwar in allen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Norddeutschlands. Sie, ja Sie persönlich, sind aufgerufen, mitzubestimmen, wer in den Kirchengemeinderat Ihrer Kirchengemeinde gewählt wird, sofern Sie Gemeindemitglied sind und mindestens 14 Jahre alt.
Vor einigen Wochen erhielten Sie dazu eine Wahlbenachrichtigungskarte. Da steht zum Beispiel drauf, wo Ihr Wahllokal ist. Also machen Sie sich die kleine Mühe und gehen Sie zur Kirchenwahl. Vielleicht verbinden Sie das mit einem Spaziergang oder dem Besuch eines Adventsmarktes. In Heide haben Sie zusätzlich die Gelegenheit, die Eröffnung der Aktion „Brot für die Welt“ um 15 Uhr in der St. Jürgen-Kirche mit unserem Bischof Magaard und dem Ministerpräsidenten Albig zu erleben.
Ihre Kirchengemeinde braucht Ihre Stimme. Setzen Sie ein Zeichen der Verbundenheit und unterstützen Sie die ehrenamtlichen Frauen und Männer, die nun für sechs Jahre die Geschicke Ihrer Gemeinde mitbestimmen werden. Geben Sie unseren Gremien den nötigen Rückenwind für ihre Arbeit. Wir freuen uns auf Ihre Stimme.
Ihr Pastor Sonnenberg, Heide.

Nutella im Himmel

BrinkmannPapa, gibt es im Himmel auch Nutella?“ Mia guckt erwartungsfroh. Die Eltern schlucken. Existenzfragen morgens um sieben sind nicht jedermanns Sache. Sie sind ratlos, wie sie antworten sollen. Zwar fühlen sie, dass die Großeltern immer noch einen Platz in ihrem Herzen haben. Auch pflegen sie auf dem Friedhof das Grab. Mia entziffert dann jedes Mal den Namen von Oma und Opa und deren Lebensdaten. Aber ist das alles, was von uns Menschen übrig bleibt? Wie ist das mit unserer Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod? Für Mia scheint das völlig klar zu sein, wenn sie schon so fragt.

Die Autoren der Bibel indes sind vorsichtig. Sie spekulieren nicht über die Details dieser Zukunft. Wichtiger ist ihnen, dass wir jetzt bewusst leben mit Gott im Sinn. Doch sie schreiben auch, dass Christus nicht im Tod geblieben ist. Sie glauben an ihn in den Himmeln Gottes, bis er wiederkommt. Dann gibt es die große Welterneu­erung. Davon schon mal zu träumen, macht hier das Vertrauen auf Gott aus.  „Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich über das, was ich schaffe“, heißt es bei Jesaja in der Bibel. Bei Mia klingt das eher so: „Dann will ich da unbedingt hin. Man bekommt dann ja auch keine Bauchschmerzen mehr und keine Löcher in den Zähnen.“

Pastorin Ina Brinkmann, Meldorf

Vor Gericht

StDSC_4026ellen Sie sich mal vor, Sie sind tatsächlich erwischt worden. Beim zu schnellen Fahren, beim Lästern über Andere, beim Runterladen eines Videos im Internet … – Und dann flattert die Einladung ins Haus zu einer Gerichtsverhandlung. Sie müssen sich verantworten für das, was Sie getan haben. Ein Rechtsanwalt wird Ihnen zur Seite gestellt. Es sieht nicht gut aus, doch dann passiert etwas, womit keiner gerechnet hat: „Nicht schuldig“ ist das Urteil, denn die Schuld übernimmt ein anderer. Zu schön, um wahr zu sein?
„Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“ (2. Kor. 5, 10) so lautet der Wochenspruch. Die Einladung zu der Gerichtsverhandlung ist ausgesprochen. Wir müssen uns verantworten. Doch der Richter ist gleichzeitig unser Fürsprecher: „Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.“ (1. Joh. 2, 1b). Am Ende kann es heißen: „Nicht schuldig!“
Zu schön, um wahr zu sein? Wer’s glaubt, wird selig!
Von Pastor Benjamin Pohlmann, Meldorf