Nutella im Himmel

BrinkmannPapa, gibt es im Himmel auch Nutella?“ Mia guckt erwartungsfroh. Die Eltern schlucken. Existenzfragen morgens um sieben sind nicht jedermanns Sache. Sie sind ratlos, wie sie antworten sollen. Zwar fühlen sie, dass die Großeltern immer noch einen Platz in ihrem Herzen haben. Auch pflegen sie auf dem Friedhof das Grab. Mia entziffert dann jedes Mal den Namen von Oma und Opa und deren Lebensdaten. Aber ist das alles, was von uns Menschen übrig bleibt? Wie ist das mit unserer Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod? Für Mia scheint das völlig klar zu sein, wenn sie schon so fragt.

Die Autoren der Bibel indes sind vorsichtig. Sie spekulieren nicht über die Details dieser Zukunft. Wichtiger ist ihnen, dass wir jetzt bewusst leben mit Gott im Sinn. Doch sie schreiben auch, dass Christus nicht im Tod geblieben ist. Sie glauben an ihn in den Himmeln Gottes, bis er wiederkommt. Dann gibt es die große Welterneu­erung. Davon schon mal zu träumen, macht hier das Vertrauen auf Gott aus.  „Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich über das, was ich schaffe“, heißt es bei Jesaja in der Bibel. Bei Mia klingt das eher so: „Dann will ich da unbedingt hin. Man bekommt dann ja auch keine Bauchschmerzen mehr und keine Löcher in den Zähnen.“

Pastorin Ina Brinkmann, Meldorf

Vor Gericht

StDSC_4026ellen Sie sich mal vor, Sie sind tatsächlich erwischt worden. Beim zu schnellen Fahren, beim Lästern über Andere, beim Runterladen eines Videos im Internet … – Und dann flattert die Einladung ins Haus zu einer Gerichtsverhandlung. Sie müssen sich verantworten für das, was Sie getan haben. Ein Rechtsanwalt wird Ihnen zur Seite gestellt. Es sieht nicht gut aus, doch dann passiert etwas, womit keiner gerechnet hat: „Nicht schuldig“ ist das Urteil, denn die Schuld übernimmt ein anderer. Zu schön, um wahr zu sein?
„Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“ (2. Kor. 5, 10) so lautet der Wochenspruch. Die Einladung zu der Gerichtsverhandlung ist ausgesprochen. Wir müssen uns verantworten. Doch der Richter ist gleichzeitig unser Fürsprecher: „Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, der gerecht ist.“ (1. Joh. 2, 1b). Am Ende kann es heißen: „Nicht schuldig!“
Zu schön, um wahr zu sein? Wer’s glaubt, wird selig!
Von Pastor Benjamin Pohlmann, Meldorf

Einsamkeit ist ein Novemberthema

warnckAm November scheiden sich die Geister. Die einen genießen Spaziergänge durch die herbstliche Landschaft, bei anderen verschlechtert sich die Laune. Denn nun beginnt endgültig die dunkle Jahreszeit mit Nässe, Kälte und langen Nächten mit viel Einsamkeit. Doch es gibt eine Idee Gottes dagegen. Ein weiser Dichter in der Bibel hat dafür ein schönes Bild gefunden. Er sagt: „Weh dem, der allein ist, wenn er fällt. Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. Auch wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich, denn: wie kann ein Einzelner warm werden?“ (Prediger 4, 9-11) Wir brauchen den anderen, der uns stützt und wärmt. Wir brauchen das Gespräch. Auch wenn wir stark werden und auf eigenen Füßen stehen, haben wir nie alle Gaben, die es zu einem guten Leben braucht. Ja, das Leben wird erst in Gemeinschaft reich. Am besten ist es also, wenn wir einen guten Wein, ein Fußballspiel und nette Musik nicht allein genießen, sondern mit anderen. So lässt sich auch die dunkle Jahreszeit gut aushalten.

Prädikant Michael Warnck, Nindorf

Luther reformiert

luiseEiner, der an der neuen Revision der Lutherbibel von 1912 beteiligt war, beschreibt die Arbeit des großen Teams wie die von Jongleuren: Als Bälle mussten die Theologen die besondere Sprachgewalt Luthers und die Vertrautheit der Gemeinden mit bekannten Bibelworten ebenso im Spiel halten wie neue Erkenntnisse zu den hebräischen und griechischen Urtexten und nicht zuletzt auch die heutige Verstehbarkeit. Ist das Vorhaben gelungen? Hören und schauen Sie selbst. Diesen Sonntag wird in vielen Dithmarscher Kirchen die „Lutherbibel 2017“ als neue Altarbibel vorgestellt und ausgelegt. Vielleicht finden auch Sie darin etwas, das Sie stärkt. Luther selbst soll gesagt haben: „Wenn die Bibel ein großer, mächtiger Baum wäre und alle Worte wären Ästelein und Zweige, so habe ich doch alle Ästelein und Zweige angeklopft, und gerne wissen wollen, was daran wäre und was sie vermöchten, und allezeit noch ein paar Äpflein oder Birnlein herunter geklopft.“

Luise Jarck-Albers, Pastorin in Heide

Verzeih mir

Inke Raabe„Ich habe es gesagt. Es war falsch, und ich entschuldige mich.“ Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump trat mit diesen Worten an die Öffentlichkeit, nachdem seine sexistischen Äußerungen in einem Video bekannt geworden waren. Ein Sturm der Entrüstung fegt nichtsdestotrotz durch die Welt: „Es reicht“, sagt Michelle Obama dazu in einer emotionalen Rede. „Anständige Menschen sagen so etwas nicht.“

Einen Fehler zuzugeben ist nicht leicht. „I apologize“, sagt Trump, „ich entschuldige mich“. Aber so einfach geht das nicht. Niemand kann sich selbst entschuldigen. Schuld kann immer nur vergeben werden. Und wenn jemand ernsthaft um Verzeihung bittet, sollten zumindest wir Christenmenschen sie ihm nicht verwehren. Gott jedenfalls tut es nicht. Aber wer sich selbst gerecht spricht, wird nicht aus dem Schatten der Schuld heraustreten können.

Donald Trump hätte gut daran getan, auf seine Sprache zu achten: „Please forgive me“ oder „please apologize“ wäre besser gewesen. Verzeih mir, excuse-moi heißt es im Französischen, oder auch „je suis désolé“ – ich bin am Boden zerstört. Wir alle machen Fehler. Aber nur, wer von Herzen um Vergebung bitten kann, wird den Schaden in Grenzen halten.

Inke Raabe, Pastorin für Öffentlichkeitsarbeit

Wenn die Welt ein Dorf wäre….

Foto Marlies RattayWenn wir die Bevölkerung unserer Erde mit ihren 7,4 Milliarden Menschen betrachten wie ein Dorf mit hundert Einwohnern, dann leben darin 60 Menschen aus Asien, 14 aus Afrika, elf aus Europa, 14 aus Nord- und Südamerika, einer aus Ozeanien. 52 sind Frauen, 48 Männer. Die reichsten 20 konsumieren  80 Prozent der Güter, die 20 Ärmsten teilen sich 1 Prozent. 15 sind unterernährt. Sechs Personen besitzen 60 Prozent des gesamten Reichtums. 22 Bewohner haben keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser. 13 sterben vor ihrem 40. Geburtstag.

Würden wir in so einem Dorf leben wollen?

Wenn uns die Ungerechtigkeit der Welt so nah käme, dann würden wir uns gewiss zusammensetzen und Schritte zu einer schnellstmöglichen Veränderung überlegen, vielleicht auch Rat suchen in den Heiligen Schriften der Völker mit ihren Visionen. In der Bibel bei Micha lesen wir: „Dann schmieden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen um und ihre Speere zu Winzermessern. Kein Volk wird mehr das andere angreifen; niemand lernt mehr, Krieg zu führen. Jeder kann ungestört unter seinem Feigenbaum und in seinem Weingarten sitzen, ohne dass ihn jemand aufschreckt.“

Marlies Rattay, Pastorin in Schlichting und St. Annen

 

Den Tagen mehr Leben geben

Inke RaabeNächstes Jahr wird sie 50 Jahre alt, die weltweite Hospizbewegung. Eine Engländerin, ihr Name war Cicely Saunders, wagte den Schritt und gründete 1967 in London das erste, stationäre Hospiz. Sterben und Tod sind ein Teil des Lebens, so ist der Ansatz. Den letzten Weg würdig und selbstbestimmt zu gehen, bestmögliche Schmerztherapie und die Miteinbeziehung Angehöriger sind heute vielerorts selbstverständlich.

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“, so heißt es in der Bibel. In der Tat: Wir hatten es vor lauter Fortschritts- und Technikbegeisterung fast vergessen. Wir hielten unsere Körper für Maschinen, die – richtig gewartet und fachgerecht repariert – so lange halten, wie wir es wünschen. Wir wurden nicht klug, als wir vergaßen, des Sterbens zu gedenken. Im Gegenteil.

Gestern war Welthospiztag, ein paar Tage weiter am 14. Oktober ist der Deutsche Hospiztag. „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“, das hat Cicely Saunders gesagt. Das ist genau, was der Psalm aus der Bibel meint: Klug leben kann nur der, der seine Endlichkeit begreift und mit Leben und Liebe füllt, was ihm an Tagen geschenkt ist.

Inke Raabe, Pastorin für Öffentlichkeitsarbeit

Erntezeit ist Segenszeit

Heike NeumannLachende Kinder spielen mit Kastanien und Eicheln, rascheln durch das Laub und genießen die Herbstgeschenke in vollen Zügen. Äpfel leuchten rot an den Bäumen, das Laub fängt an, in den schönsten Farben zu strahlen, die Körbe füllen sich mit Birnen, Pflaumen, Nüssen und Esskastanien. Wie schön ist der Herbst!

„Gott ist zwar unsichtbar, doch an seinen Werken, der Schöpfung, haben die Menschen seit jeher seine göttliche Macht und Größe sehen und erfahren können“ – so steht es in der Bibel. Gott sorgt für uns, schenkt uns volle Speisekammern, lachende Augen und fröhliche Herzen. So wird sein Segen sichtbar und spürbar. Eine Dankbarkeit erfüllt mich, wenn mir das bewusst wird. Morgen ist Erntedank! Ein Anlass, Gott zu danken und sich dafür Zeit zu nehmen. Danken tut auch uns selber gut. Lassen Sie sich doch mal einladen zu einem der vielen Gottesdienste!
Heike Neumann, Jugenddiakonin

Einen Engel wünsch ich dir

warnck„Schwein gehabt!“, denkt so mancher, der einem Missgeschick entkommen ist. Aber wenn unsere Liebsten auf Reisen gehen, dann wünschen wir ihnen eher einen Engel als ein Schwein im Gepäck. Ein beliebter Taufspruch steht im Psalm 91,11: “Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.”

In vielen Gottesdiensten wird morgen der „Tag der Erzengels Michael und alle Erzengel“ gefeiert. Michael heißt: „Wer ist wie Gott?“ – eine staunende und zugleich bekennende Frage: Wer auf der Welt ist so groß wie Gott? Keiner! Und Michael ist die Kraft in uns, die uns fragt: Wer ist für dich Gott? Wie wichtig ist er dir? Hast du längst schon andere Götter an seine Stelle gesetzt? Michael fordert uns auf, uns dem wahren Gott zuzuwenden. Dem Vater, der uns das Leben geschenkt hat. Dem Vater, der uns unsere Fehler vergibt, damit unser Leben heil und ganz wird.

Für diese mahnende und schützende Kraft Gottes gegen das Böse in unserem Leben – für diese Kraft Gottes steht das Bild des Engels Michael.
Prädikant Michael Warnck

Wortprügel

Inke Raabe„Bashing“ kommt aus dem Englischen und wird mit „Prügel“ übersetzt. Verlogen sei das „Merkel-Bashing“, sagte Umweltminister Robert Habeck vorletzte Woche. Er meint damit die öffentlichen Prügel für die Kanzlerin, die sie zurzeit aus fast allen politischen Lagern – sogar aus den eigenen Reihen – erhält. Grund ist Angela Merkels klare Haltung zur Flüchtlingspolitik. Das gefällt nicht jedem.

Der Zeitpunkt ist günstig, die Umfragewerte der Kanzlerin sind auf dem Tiefpunkt. Und überhaupt: Nächstes Jahr ist Bundestagswahl, und nach der Wahl ist vor der Wahl, und sich schon mal in Position zu bringen, kann nie schaden. Den Gegner zu attackieren gehört nun mal zum politischen Geschäft. Dass dabei auf den Wellen der AfD geritten wird, scheint niemanden zu stören.

Deutlich ist: Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir uns seltener mit Fäusten, dafür umso öfter mit Worten schlagen. Die Politiker geben uns kein gutes Vorbild, wenn sie das tun. Merkel-Bashing gehört sich nicht, genauso wenig wie Prügel jedweder Art, nicht mit Fäusten und nicht mit Worten. Respekt ist, was wir brauchen. Und Liebe zum Nächsten, wer er auch sei – und wo immer er oder sie auch herkommt.
Inke Raabe, Pastorin für Öffentlichkeitsarbeit