Trauung

Jörg DenkeElf Jahre lang hatten Thorsten und Corinna als Paar zusammengelebt. Nun aber stand fest: Es wird geheiratet. Und zwar kirchlich. Sorgfältig hatte man die Lieder und den Trauspruch ausgesucht und lange mit der Pastorin über Ablauf und Traufragen diskutiert. Echt und ohne überflüssige Schnörkel sollte die Trauung sein, so hatten beide gemeint. Und auf den Auftritt vom brautführenden Vater wollte man auch verzichten. „Wir sind ein Paar. Wir sagen Ja zueinander. Das soll man gleich sehen“, hatte Corinna gemeint. Und Thorsten hatte zustimmend genickt. Und eine „ordentliche Traupredigt“ verlangt. „Eine mit biblischen Bezug“. Denn Thorsten und Corinna hatten sich in der kirchlichen Jugendarbeit kennengelernt. Und dass der Gott der Bibel Ja zu ihnen gesagt hatte, auch dass war ihnen wichtig. Und das sollte man merken.
Leider hatten die beiden die Rechnung ohne Tante Alma gemacht. Tante Alma hatte für die Trauung einen Shanty-Chor bestellt. Natürlich ohne vorher Pastorin oder Brautpaar zu informieren. Vonwegen „Das soll doch eine Überraschung sein“.
Als dann „Das ist die Liebe der Matrosen“ durch die Kirche brauste, stieß Tanta Alma ihre Nachbarin an: „Guck mal, die Braut weint. Wie romantisch“.
Die Taufe jetzt haben Thorsten und Corinna wieder mit „ihrer Pastorin“ vorbereitet. Nur Tante Alma ist nicht eingeladen. Warum, das wird Tanta Alma nie verstehen.
Jörg Denke, Pastor in Pahlen

Pokémon

Inke RaabeSie fallen schon auf, die jungen Leute mit ihren Handys: Sie stehen an möglichen und unmöglichen Orten und daddeln auf ihren Taschencomputern. Auf dem Display sehen sie Wesen, die uns Unkundigen verborgen bleiben. Es sind Pokémons, kleine bunte Geister, die in unseren Städten und vor unseren Kirchen herumkrabbeln. Die gilt es, mit virtuellen Bällen zu fangen. Reden tun die Jugendlichen dabei meist nur wenig.

Unmögliche Orte sind zum Beispiel unsere Friedhöfe. Die jungen Jäger sind oft so in ihrem Spiel gefangen, dass sie den Ortswechsel kaum registrieren. Friedhöfe sind ja keine Spielplätze. Bei aller Liebe: Da gehört sich die Jägerei einfach nicht.

Mögliche Orte sind aber die Plätze vor kirchlichen Gemeindehäusern. Da wimmelt es nicht nur von Pokémons, sondern auch von guten Geistern: engagierten Ehrenamtlichen, kompetenten Pastoren und liebevollen Küstern und Hausmeistern. Die kann man zwar nicht locken und einfangen, aber nett sind sie, Kirchenleute halt. Wie wär’s mit einem kleinen Plausch?

Pastorin Inke Raabe

Habt Salz in euch!

MeyenburgIch wünsche mir Frieden. Im großen Rahmen, wo Menschen und Nationen miteinander diese Welt gestalten. Und im kleinen Rahmen, wo ich meine eigene Lebensgeschichte, meine Herausforderungen, meine innere Verfassung betrachte. Frieden – das bedeutet, dass Menschen, Tiere, Schöpfung den zur Verfügung stehenden Lebensraum so gestalten und erfahren, dass es allen gutgeht, dass niemand zu kurz kommt, dass jedes Wesen seinen Sinn findet.

Am besten kann Frieden gedeihen, wenn ich nicht auf die anderen warte, dass sie endlich Frieden schließen, sondern einfach selber den ersten Schritt tue. Die Jünger Jesu streiten sich heimlich darüber, wer unter ihnen wohl der Wichtigste sei. Jesus geht darauf unter anderem mit dem geheimnisvoll anmutenden Monatsspruch für den August ein: “Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!”

Salz – in damaligen Zeiten der wertvollste Rohstoff – sorgt für einen ausgeglichenen inneren Haushalt und macht das Essen genießbar. Die Gemeinschaft mit Jesus ist wie solches Salz. Wer das hat, kann Frieden stiften.
Harald Meyenburg, Wesselburen

Pray for Munich

Inke RaabeDer Sommer ist so schön und gleichzeitig so schrecklich: Istanbul, Nizza, Ansbach und München, es nimmt kein Ende mit der Gewalt. Dazu der Brexit und immer wieder der türkische Ministerpräsident, der die für sein Land so wichtige Demokratie aushöhlt.

Antworten werden wie Schnellfeuerwaffen aus dem Gurt gezogen, und dann wird aus der Hüfte geschossen: Die Flüchtlingspolitik sei schuld, den Briten fehle es an Bildung und Aufklärung, und immer wieder müssen der Islam und sein Prophet Mohammed ganz pauschal den Kopf hinhalten für die Ratlosigkeit und den Zorn, die sich breitmachen.

Schlicht und schön sind viele Reaktionen im Internet. Unter den Hashtags #prayfornizza, #prayforansbach und #prayformunich bringen Bürgerinnen und Bürger ihre Betroffenheit und ihr Mitgefühl zum Ausdruck. Betet für Nizza, Ansbach, München, betet für Brüssel, Paris, Würzburg und Istanbul. Das gemeinsame, stille Beten ist eine Form des Widerstands gegen Gewalt und Abstumpfung. Es ist das klare Bekenntnis zu Menschlichkeit und Mitgefühl. Es setzt den allzu schnellen Antworten etwas entgegen: Betet. Kommt erst einmal zur Besinnung. Kümmert euch zuerst um die Menschen. Und dann lasst uns gemeinsam überlegen, was wirklich nottut.

Inke Raabe, Pastorin in Dithmarschen

Soweit der Himmel ist

Juni IV 2015Der Mann spricht den Vers auf der Tür des Andachtsraumes staunend vor sich hin: „Deine Gnade reicht, soweit der Himmel ist, und deine Treue, soweit die Wolken gehen“. Wir betrachten uns die Worte. „Ehrlich gesagt: Ich gehe selten in die Kirche und beschäftige mich kaum mit Gott“, sagt er. Irgendwie glaube er an Gott, habe aber nie intensiver darüber nachgedacht. Die Arbeit, die Familie – und er erzählt, dass er den elterlichen Betrieb übernommen hat. „Gnade, soweit der Himmel ist“, flüstert der Mann. „Ich habe immer gehofft, von meinem Vater anerkannt und geliebt zu werden. Oft arbeite ich bis in den späten Abend  und  verzichte auf  Vieles. In den Arm wurde ich von meinem Vater nie genommen“. Nach einer Weile sagt der Patient: „Während ich hier liege, denke ich auch über mein Leben nach. Jetzt stehe ich hier vor der Tür und lese diesen Vers – Gnade und Treue, grenzenlos bis in den Himmel. „Wenn das stimmt, würde das ja heißen, dass ich einfach so, ohne mein Zutun, anerkannt und geliebt werde“? Nachdenkliche Stille. Hinter uns öffnet sich die Tür und ein Mädchen mit Zöpfen ruft fröhlich ihren Vater: „Papa, da bist du ja“. Hüpfend  läuft sie auf ihn zu und beide strecken ihre Arme aus soweit die Wolken gehen.

Diakonin Annegret Steinmeyer, Seelsorgerin im WKK

Markt-Frieden

Bettina FritschGewisse Eigenarten soll er haben, der echte Dithmarscher. Auf seine Eigenständigkeit bedacht sein. Dabei vielleicht auch ein bisschen eigensinnig und mit großem Selbstbewusstsein für sich und seine Herkunft.

Im Mittelpunkt des Heider Marktfriedens steht auch dieses Jahr wieder die Erinnerung an die freie Bauernrepublik Dithmarschen. Bei Manchem nicht ohne Stolz. Die Freiheit damals wurde aber bei der Schlacht von Hemmingstedt mit viel Gewalt und Blutvergießen bezahlt.

Die Eigenständigkeit Dithmarschens ist längst Vergangenheit. Längst sind wir Teil von Deutschland, Europa, der ganzen Welt. Echte Freiheit passiert nur da, wo Menschen friedlich beieinander wohnen, ohne Angst vor Krieg und Gewalt.

Gott ruft im Buch des Propheten Jesaja: Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe! Möge Gottes Wort lauter sein als alle menschlichen Schlachtrufe dieser Tage. Und der Heider Marktfrieden 2016 ein fröhlicher Ort, an dem Gottes Friede spürbar ist.

Pastorin Bettina Fritsch, Wesseln und Heide

Fastenbrechen mit Gott

BrinkmannTim will Gott treffen. Er packt ein paar Coladosen und Schokoriegel ein und zieht los. Auf dem Hesel sieht er Annemarie sitzen. Die alte Dame sitzt auf der Bank. Wie jeden Tag. Zuschauen wie die Pferde grasen. Tim setzt sich zu ihr und öffnet seinen Rucksack. Er will eine Cola herausholen. Da sieht er, wie Annemarie sehnsüchtig herüber schaut. Er nimmt einen Schokoriegel: „Willst du?“ Dankbar lächelt sie ihn an. Tim will sie noch einmal lächeln sehen. Er bietet ihr auch noch eine Cola an. Die alte Dame strahlt ihn an.

Die beiden sitzen den ganzen Nachmittag lang auf der Bank, essen Schokoriegel und trinken Cola. Sie sprechen kein Wort. Als es dunkel wird, will Tim nach Hause gehen. Er hält an, geht zurück und umarmt die alte Lady. Annemarie ist ganz entzückt.

Zu Hause angekommen fragt die Mutter ihren Sohn: „Was hast du denn heute gemacht? Du siehst so fröhlich aus.“ Tim darauf: „Ich habe mit Gott gepicknickt. Und sie hat ein wundervolles Lächeln!“ Als Annemarie heimkehrt, wartet ihr Sohn schon: „Warum bist du denn so fröhlich?“ „Ich habe mit Gott gepicknickt, und er ist viel jünger, als ich dachte.“

So geht’s: „Was ihr für einen meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan“, spricht Jesus Christus über Gott. (Matthäus 25, 40)
Pastorin Ina Brinkmann, Meldorf

Bittere Schokolade?!

Heike NeumannIch liebe Schokolade! Ob mit Karamell, Nüssen, Marzipan, JoghurtFüllung, ob Zartbitter, Vollmilch oder weiße Schokolade – als Nervennahrung, Belohnung, Beruhigung,… ich genieße Schokolade fast täglich und freue mich, dass es in Gottes schöne Welt so etwas Leckeres und Guttuendes gibt.
Aber schaut man mal hinter die bunte Plastikverpackung, blickt genau auf das, was sich hinter der Aluhülle verbirgt, ist das weniger ein Grund zum Freuen: Kakaobauern, die ohne Krankenversicherung und mit einem Hungerlohn ausgebeutet werden, Kinder, die anstatt zu spielen ihre Kindheit auf Zuckerplantagen mit schwerer Arbeit verbringen müssen, ungerechte Verteilung von Finanzen und Firmen, die das alles nicht interessiert, sondern die nur auf ihren Profit sehen.
So etwas Ungerechtes und ich freue mich daran?
Gott sei Dank gibt es genug Firmen, die inzwischen darauf achten und ihre Süßigkeiten und der gerechten Bedingungen produzieren lassen. Gottes Welt sollte gerecht sein! Viele Supermärkte und Weltläden verkaufen fairgehandelte Schokolade und natürlich andere Produkte wie Kaffee usw. Wenn wir gemeinsam beim Einkauf etwas mehr und öfter auf das Fairtrade-Siegel achten, können wir auf der anderen Seite von Gottes schöner Welt viel bewegen.

Diakonin Heike Neumann, Kirchspiel Eider

Du bist willkommen

Foto Marlies RattayWie arm wären unsere Dörfer und Städte, gäbe es sie nicht: die alten Kirchen. Seit Jahrhunderten schon bieten sie Raum für Andacht und Stille, für Musik und gute Worte. Sie haben so viel gesehen und erlebt. Seit Generationen tragen Menschen hierher ihre Freude und ihr Leid und finden Ermutigung und Trost. Die Kirchenräume sind offen für alle, niemand wird gefragt, was er denkt oder glaubt. Sie sind ein wunderbares Angebot, für eine Weile aus dem Alltag herauszutreten, sich hinzusetzen für einen Moment und sich umzuschauen. Was gibt es alles zu sehen! Mich berührt zum Beispiel die Sorgfalt der alten Bildschnitzer, wie sie Jesus aus dem harten Eichenholz herausgearbeitet haben, damit er nicht vergessen wird. Sie konnten nicht ahnen, welche Menschen nach ihnen ihr Werk betrachten würden. Was denken wir dabei? Ist es nur Holz, nur Kunst? Oder spricht das Gesicht dieses Jesus auch heute zu uns: Du bist willkommen. Du bist gesegnet.
Pastorin Marlies Rattay, St. Annen und Schlichting

Amtsmüde?

DSC_4026Am Montag verkündete Bundespräsident Joachim Gauck offiziell: Eine zweite Amtszeit kommt für ihn nicht in Betracht. Amtsmüde scheint er aufgrund der Formulierungen nicht zu sein, – aber er respektiert die möglichen Folgen des Alters und weiß um die Herausforderungen eines solchen Amtes. In dieses Amt kann sich keiner bewerben, – man wird gewählt – quasi eingesetzt. In welches Amt sind Sie eigentlich eingesetzt? Was ist Ihre Aufgabe? Im 1. Timotheusbrief heißt es: „Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt (hat).“ Diese Worte gelten nicht dem Bundespräsidenten sondern jedem Christen. Jeder Christ ist von Gott in ein Amt eingesetzt. Ein Amt, wo ich Gottes Liebe hineintrage in diese Welt – durch Ideen, durch Worte, durch Taten … Manchmal fordert es mich heraus, – aber Gott hält mich trotzdem dazu für geeignet. Er traut mir dieses Amt nicht nur zu, er rüstet mich sogar dafür aus. Amtsmüde brauch ich darum nicht zu werden und abdanken ist auch nicht nötig – seine Wahl gilt lebenslänglich!

Pastor Benjamin Pohlmann
Ev.-Luth. Kirchengemeinde Meldorf