Den Tagen mehr Leben geben

Inke RaabeNächstes Jahr wird sie 50 Jahre alt, die weltweite Hospizbewegung. Eine Engländerin, ihr Name war Cicely Saunders, wagte den Schritt und gründete 1967 in London das erste, stationäre Hospiz. Sterben und Tod sind ein Teil des Lebens, so ist der Ansatz. Den letzten Weg würdig und selbstbestimmt zu gehen, bestmögliche Schmerztherapie und die Miteinbeziehung Angehöriger sind heute vielerorts selbstverständlich.

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“, so heißt es in der Bibel. In der Tat: Wir hatten es vor lauter Fortschritts- und Technikbegeisterung fast vergessen. Wir hielten unsere Körper für Maschinen, die – richtig gewartet und fachgerecht repariert – so lange halten, wie wir es wünschen. Wir wurden nicht klug, als wir vergaßen, des Sterbens zu gedenken. Im Gegenteil.

Gestern war Welthospiztag, ein paar Tage weiter am 14. Oktober ist der Deutsche Hospiztag. „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben“, das hat Cicely Saunders gesagt. Das ist genau, was der Psalm aus der Bibel meint: Klug leben kann nur der, der seine Endlichkeit begreift und mit Leben und Liebe füllt, was ihm an Tagen geschenkt ist.

Inke Raabe, Pastorin für Öffentlichkeitsarbeit

Erntezeit ist Segenszeit

Heike NeumannLachende Kinder spielen mit Kastanien und Eicheln, rascheln durch das Laub und genießen die Herbstgeschenke in vollen Zügen. Äpfel leuchten rot an den Bäumen, das Laub fängt an, in den schönsten Farben zu strahlen, die Körbe füllen sich mit Birnen, Pflaumen, Nüssen und Esskastanien. Wie schön ist der Herbst!

„Gott ist zwar unsichtbar, doch an seinen Werken, der Schöpfung, haben die Menschen seit jeher seine göttliche Macht und Größe sehen und erfahren können“ – so steht es in der Bibel. Gott sorgt für uns, schenkt uns volle Speisekammern, lachende Augen und fröhliche Herzen. So wird sein Segen sichtbar und spürbar. Eine Dankbarkeit erfüllt mich, wenn mir das bewusst wird. Morgen ist Erntedank! Ein Anlass, Gott zu danken und sich dafür Zeit zu nehmen. Danken tut auch uns selber gut. Lassen Sie sich doch mal einladen zu einem der vielen Gottesdienste!
Heike Neumann, Jugenddiakonin

Einen Engel wünsch ich dir

warnck„Schwein gehabt!“, denkt so mancher, der einem Missgeschick entkommen ist. Aber wenn unsere Liebsten auf Reisen gehen, dann wünschen wir ihnen eher einen Engel als ein Schwein im Gepäck. Ein beliebter Taufspruch steht im Psalm 91,11: “Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.”

In vielen Gottesdiensten wird morgen der „Tag der Erzengels Michael und alle Erzengel“ gefeiert. Michael heißt: „Wer ist wie Gott?“ – eine staunende und zugleich bekennende Frage: Wer auf der Welt ist so groß wie Gott? Keiner! Und Michael ist die Kraft in uns, die uns fragt: Wer ist für dich Gott? Wie wichtig ist er dir? Hast du längst schon andere Götter an seine Stelle gesetzt? Michael fordert uns auf, uns dem wahren Gott zuzuwenden. Dem Vater, der uns das Leben geschenkt hat. Dem Vater, der uns unsere Fehler vergibt, damit unser Leben heil und ganz wird.

Für diese mahnende und schützende Kraft Gottes gegen das Böse in unserem Leben – für diese Kraft Gottes steht das Bild des Engels Michael.
Prädikant Michael Warnck

Wortprügel

Inke Raabe„Bashing“ kommt aus dem Englischen und wird mit „Prügel“ übersetzt. Verlogen sei das „Merkel-Bashing“, sagte Umweltminister Robert Habeck vorletzte Woche. Er meint damit die öffentlichen Prügel für die Kanzlerin, die sie zurzeit aus fast allen politischen Lagern – sogar aus den eigenen Reihen – erhält. Grund ist Angela Merkels klare Haltung zur Flüchtlingspolitik. Das gefällt nicht jedem.

Der Zeitpunkt ist günstig, die Umfragewerte der Kanzlerin sind auf dem Tiefpunkt. Und überhaupt: Nächstes Jahr ist Bundestagswahl, und nach der Wahl ist vor der Wahl, und sich schon mal in Position zu bringen, kann nie schaden. Den Gegner zu attackieren gehört nun mal zum politischen Geschäft. Dass dabei auf den Wellen der AfD geritten wird, scheint niemanden zu stören.

Deutlich ist: Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir uns seltener mit Fäusten, dafür umso öfter mit Worten schlagen. Die Politiker geben uns kein gutes Vorbild, wenn sie das tun. Merkel-Bashing gehört sich nicht, genauso wenig wie Prügel jedweder Art, nicht mit Fäusten und nicht mit Worten. Respekt ist, was wir brauchen. Und Liebe zum Nächsten, wer er auch sei – und wo immer er oder sie auch herkommt.
Inke Raabe, Pastorin für Öffentlichkeitsarbeit

Alles Gute, ihr Lieben! Ihr macht das schon!

Inke RaabeJetzt sind sie wieder unterwegs, unsere Kleinen, mit gelben Mützen gegen die Gefahr auf den Straßen und Schulranzen, die viel zu groß für die kleinen Rücken sind.

Die Schultüten sind prall gefüllt mit vielem Nützlichem und manchem Leckeren. Die Kinder sind neugierig und fröhlich: Sie wollen lernen, wollen endlich groß und frei sein. Der Schulanfang ist ein erster Schritt dorthin. Aber groß wie der Schulranzen ist auch die Aufgabe: Von jetzt an müssen sie jeden Tag zur Schule gehen, aufstehen, anziehen, lernen, ein schnelles Mittagessen und am Nachmittag die Hausaufgaben. Von jetzt an müssen sie Leistung bringen, sie müssen dem Lehrstoff folgen, sie werden benotet und bewertet.

Die Schultüten sind gefüllt mit Nützlichem und Leckerem. Wir von der Kirche packen noch den Segen dazu. „Gott ist mit dir, in allem, was du tust“, sagen wir Eltern und Kindern. im Einschulungsgottesdienst. Alles Gute, Ihr Lieben! Ihr macht das schon!

Gold für Hennstedt

HansOlympiade 2016 in Rio. Deutschland erkämpfte 17mal Gold. Danach gab es eine Riesenparty beim Eintreffen der Athleten auf dem Römerplatz in Frankfurt. Wir sind stolz auf euch, sagte Bundespräsident Gauck.
Gold 2016 in Hennstedt. Treffen von 70 Goldkonfirmanden in der Secundus-Kirche nach 50 Jahren. Wir freuen uns auf Begegnung, Wiedersehen und Segen für kommende Zeiten, sagen die Jubilare.
Segen und Gold – das Beste, was man bekommen kann! Mit Gold zeichnen wir nicht nur sportliche Leistungen aus. Mit Gold ehren wir an diesem Wochenende Menschen, die vor 50 Jahren konfirmiert wurden. Aus Kindern sind Leute geworden. Wird mach sich wieder erkennen? Wo lebt man jetzt? Was ist aus einem geworden? Manches Schicksal ist zu bedenken. Statt Sieger gibt es Segen. Der Segen von damals hat gehalten. 50 Jahre lang. Das ist mit Gold nicht aufzuwiegen! Gott sei Dank!
Pastor Hans Lorenzen, Hennstedt

Pling!

Inke RaabeNun hat auch der Kirchenkreis eine Handy-App. Eine App, das ist die Abkürzung für Applikation, eine Zusatzfunktion, ein Extra-Programm, das automatisch vermeldet, wenn es Neuigkeiten gibt. Wer will, kann sich die App auf sein Smartphone laden, und dann macht es „Pling!“, wenn da was kommt.

Ja, muss denn Kirche all den neumodschen Kram mitmachen? Erst war da eine Webseite, dann kamen Facebook und Twitter und nun auch das noch? Muss Kirche wirklich auf jeden Zug aufspringen, der gerade vorbeifährt? Die Befürworter sagen: „Luther hätte getwittert!“ Oder „Jesus wäre heute bei Facebook.“ Kann sein. Beide waren überaus aufgeschlossen und scheuten sich nicht, neue Wege zu gehen, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen.

Wichtig ist, die Basis und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Mit der Zeit gehen, ja, gerne. Die neuen Medien sind ja unschädlich und kostenlos, warum also nicht? Aber sie sind eben nicht heilsentscheidend. Auf die Liebe kommt es an, sagt Jesus. Und nur darauf. Wer mit Liebe twittert – er sei gesegnet. Und wer ohne den ganzen Kram seinen Nächsten liebhaben kann, der erst recht.
Inke Raabe, Pastorin für Öffentlichkeitsarbeit

Trauung

Jörg DenkeElf Jahre lang hatten Thorsten und Corinna als Paar zusammengelebt. Nun aber stand fest: Es wird geheiratet. Und zwar kirchlich. Sorgfältig hatte man die Lieder und den Trauspruch ausgesucht und lange mit der Pastorin über Ablauf und Traufragen diskutiert. Echt und ohne überflüssige Schnörkel sollte die Trauung sein, so hatten beide gemeint. Und auf den Auftritt vom brautführenden Vater wollte man auch verzichten. „Wir sind ein Paar. Wir sagen Ja zueinander. Das soll man gleich sehen“, hatte Corinna gemeint. Und Thorsten hatte zustimmend genickt. Und eine „ordentliche Traupredigt“ verlangt. „Eine mit biblischen Bezug“. Denn Thorsten und Corinna hatten sich in der kirchlichen Jugendarbeit kennengelernt. Und dass der Gott der Bibel Ja zu ihnen gesagt hatte, auch dass war ihnen wichtig. Und das sollte man merken.
Leider hatten die beiden die Rechnung ohne Tante Alma gemacht. Tante Alma hatte für die Trauung einen Shanty-Chor bestellt. Natürlich ohne vorher Pastorin oder Brautpaar zu informieren. Vonwegen „Das soll doch eine Überraschung sein“.
Als dann „Das ist die Liebe der Matrosen“ durch die Kirche brauste, stieß Tanta Alma ihre Nachbarin an: „Guck mal, die Braut weint. Wie romantisch“.
Die Taufe jetzt haben Thorsten und Corinna wieder mit „ihrer Pastorin“ vorbereitet. Nur Tante Alma ist nicht eingeladen. Warum, das wird Tanta Alma nie verstehen.
Jörg Denke, Pastor in Pahlen

Pokémon

Inke RaabeSie fallen schon auf, die jungen Leute mit ihren Handys: Sie stehen an möglichen und unmöglichen Orten und daddeln auf ihren Taschencomputern. Auf dem Display sehen sie Wesen, die uns Unkundigen verborgen bleiben. Es sind Pokémons, kleine bunte Geister, die in unseren Städten und vor unseren Kirchen herumkrabbeln. Die gilt es, mit virtuellen Bällen zu fangen. Reden tun die Jugendlichen dabei meist nur wenig.

Unmögliche Orte sind zum Beispiel unsere Friedhöfe. Die jungen Jäger sind oft so in ihrem Spiel gefangen, dass sie den Ortswechsel kaum registrieren. Friedhöfe sind ja keine Spielplätze. Bei aller Liebe: Da gehört sich die Jägerei einfach nicht.

Mögliche Orte sind aber die Plätze vor kirchlichen Gemeindehäusern. Da wimmelt es nicht nur von Pokémons, sondern auch von guten Geistern: engagierten Ehrenamtlichen, kompetenten Pastoren und liebevollen Küstern und Hausmeistern. Die kann man zwar nicht locken und einfangen, aber nett sind sie, Kirchenleute halt. Wie wär’s mit einem kleinen Plausch?

Pastorin Inke Raabe

Habt Salz in euch!

MeyenburgIch wünsche mir Frieden. Im großen Rahmen, wo Menschen und Nationen miteinander diese Welt gestalten. Und im kleinen Rahmen, wo ich meine eigene Lebensgeschichte, meine Herausforderungen, meine innere Verfassung betrachte. Frieden – das bedeutet, dass Menschen, Tiere, Schöpfung den zur Verfügung stehenden Lebensraum so gestalten und erfahren, dass es allen gutgeht, dass niemand zu kurz kommt, dass jedes Wesen seinen Sinn findet.

Am besten kann Frieden gedeihen, wenn ich nicht auf die anderen warte, dass sie endlich Frieden schließen, sondern einfach selber den ersten Schritt tue. Die Jünger Jesu streiten sich heimlich darüber, wer unter ihnen wohl der Wichtigste sei. Jesus geht darauf unter anderem mit dem geheimnisvoll anmutenden Monatsspruch für den August ein: “Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!”

Salz – in damaligen Zeiten der wertvollste Rohstoff – sorgt für einen ausgeglichenen inneren Haushalt und macht das Essen genießbar. Die Gemeinschaft mit Jesus ist wie solches Salz. Wer das hat, kann Frieden stiften.
Harald Meyenburg, Wesselburen